Was tun bei Tinnitus: Diagnose
Bevor eine gezielte Behandlung beginnen kann, muss zunächst die Ursache der Ohrgeräusche abgeklärt werden. Die Diagnose erfolgt meist durch eine HNO-Fachärztin oder einen HNO-Facharzt und umfasst sowohl eine gründliche Anamnese als auch verschiedene Hör- und Funktionstests.
Wann ist ein Besuch beim Arzt oder bei der Ärztin notwendig?
Wenn das Ohrgeräusch länger als 24 Stunden anhält, sollten Sie einen Experten oder eine Expertin aufsuchen. Denn je früher Sie bei einem akuten Tinnitus aktiv werden, desto besser sind Ihre Heilungschancen. Und desto eher können Sie einen chronischen Tinnitus vermeiden. Bei folgenden Symptomen sollten Sie einen Termin bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin vereinbaren:
Wenn Sie mit einem Summen in Ihrem Ohr aufgewacht sind, ist das möglicherweise kein Grund zur Sorge. Vielleicht haben Sie Wasser im Ohr, das von der Poolparty gestern Abend stammt oder es hat sich Ohrenschmalz (Cerumen) angesammelt.
Wenn Sie jedoch schon seit einer Woche ein ständiges Klingeln, Rauschen oder Brummen im Ohr haben, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um abklären zu lassen, ob eine Erkrankung vorliegt. Auch wenn Ihr Tinnitus erträglich ist und die Symptome anhalten, sollten Sie nicht zögern, zu einer Ärztin oder einem Arzt zu gehen.
Wenn Ausfluss aus dem Ohr austritt und Sie außerdem ein ständiges Klingeln oder Summen wahrnehmen, haben Sie möglicherweise eine Ohrinfektion. Kinder leiden besonders häufig unter Ohrinfektionen: Die meisten Kinder haben vor ihrem dritten Geburtstag zumindest eine. Eine Ohrenentzündung tritt auf, wenn der luftgefüllte Raum im Mittelohr von einer Infektion befallen wird. Das Ohr schmerzt dabei in der Regel.
Manche Ohrinfektionen verschwinden von selbst, Sie sollten sich im Zweifelsfall aber immer an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin wenden – er bzw. sie kann unterstützen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Bleiben Ohrinfektionen über einen längeren Zeitraum unbehandelt, können sie zu Hörverlust, Mastoiditis oder einem Riss im Trommelfell führen.
Diese Art von Tinnitus ist in der Regel nicht von Dauer, aber es lohnt sich, die Meinung einer medizinischen Fachkraft einzuholen.
Wenn Ihr Tinnitus von Schwindel oder Übelkeit begleitet wird, sollten Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Tinnitus kann viele Ursachen haben, aber Schwindel und Übelkeit sind auch Symptome der Menière-Krankheit.
Tinnitus tritt normalerweise bilateral auf (in beiden Ohren). Wenn der Tinnitus jedoch nur einseitig auftritt, sollten Sie so schnell wie möglich einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Ein einseitiger Tinnitus kann ein Anzeichen für Morbus Menière oder einen Hörsturz sein.
Ein Tinnitus kann konstant oder unregelmäßig sein. Wenn Sie jedoch feststellen, dass der Tinnitus im Takt Ihres Pulses schlägt, sollten Sie einen Termin bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vereinbaren. Ein pulsierender bzw. pulssynchroner Tinnitus kann auf Bluthochdruck und Gefäßfehlbildungen, Kopf- und Halstumoren oder Aneurysmen hindeuten.
Die meisten zugrunde liegenden Erkrankungen sind jedoch nicht sehr ernst – ein pulsierender Tinnitus ist häufig nur ein Hinweis auf ein Blutgefäß im Trommelfell. Bei weniger als 10 % der von pulsierendem Tinnitus betroffenen Personen ist das Ohrgeräusch pulssynchron und das Geräusch ist für Ärzte und Ärztinnen oft hörbar.
Untersuchungsverfahren und Diagnoseprozess
Wenn Ihr Tinnitus Sie sehr belastet, sollten Sie sich auf alle Fälle professionelle Hilfe suchen. Sei es im medizinischen Bereich bei einem HNO-Arzt bzw. einer HNO-Ärztin oder bei psychologischen Stellen, wenn das Ohrgeräusch Sie im Alltag sehr stört. Die beste Information und Hilfe, um erst mal eine Diagnose und eine umfangreiche medizinische Abklärung zu erhalten, bekommen Sie bei Ihrem HNO-Arzt oder Ihrer HNO-Ärztin. Die HNO-Untersuchung bei von Tinnitus betroffenen Personen ist auf die Bedürfnisse von Menschen mit Ohrgeräuschen abgestimmt. Die HNO-Untersuchung bei Tinnitus läuft für gewöhnlich so ab:
Ausschlaggebend für die Diagnose und Therapie von Ohrgeräuschen ist das erste ausführliche Gespräch (das sogenannte Anamnese-Gespräch) der betroffenen Person mit dem HNO-Arzt bzw. der HNO-Ärztin. Dabei werden Fragen zu Vorerkrankungen, zu möglichen Auslösern sowie zum störenden Geräusch selbst gestellt. Und der Arzt bzw. die Ärztin versucht abzuschätzen, wie groß der durch den Tinnitus verursachte Leidensdruck ist. Bereiten Sie sich auf folgende Fragen vor:
- Bestehen Vorerkrankungen?
- Nehmen Sie Medikamente ein?
- Wann ist das Ohrgeräusch zum ersten Mal aufgetaucht? Lässt es sich auf eine Ursache zurückführen?
- Kam der Tinnitus plötzlich oder hat er sich schleichend entwickelt?
- Wie hört sich der Tinnitus an?
- Gab es einen möglichen Auslöser wie z. B. ein Knalltrauma, Dauerlärm oder eine außergewöhnliche Stresssituation?
Manchmal werden auch Fragebögen verwendet, um zu beurteilen, wie sich die Erkrankung auf Ihre Lebensqualität auswirkt. Gleichzeitig soll die Ursache für den Tinnitus ermittelt werden, um ihn gezielt zu behandeln. Wenn das Ohrensausen nicht mit einer anderen Erkrankung in Verbindung gebracht werden kann, ist das Ziel der Behandlung, die Tinnitus-Symptome zu lindern.
Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen des Gehörs, unter anderem ein Hörtest und eine Gleichgewichtsprüfung. So kann der HNO-Arzt oder die HNO-Ärztin feststellen, ob gleichzeitig auch ein Hörverlust oder eine Erkrankung des Gehörsystems vorliegt.
Der Arzt bzw. die Ärztin wird wahrscheinlich als Erstes eine audiologische Untersuchung und einen Hörtest durchführen. Zum Schluss folgt die eigentliche Tinnitus-Analyse, bei der die Lautstärke und Tonhöhe des Ohrgeräuschs ermittelt werden.
Gegebenenfalls wird eine MRT (Magnetresonanztomographie) angeordnet. Die MRT dient dazu, ernstere Ursachen wie ein Akustikusneurinom oder eine andere organische Ursache des Tinnitus auszuschließen.
Je nach Form und Schweregrad des Tinnitus werden in der HNO-Praxis ein individueller Behandlungsplan erstellt und entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet.
Einen Hörtest und eine ausführliche Hörberatung, wenn Sie einen Hörverlust vermuten, erhalten Sie auch bei Hansaton – und das kostenlos. Vereinbaren Sie einen Termin in einem unserer Hansaton Hörkompetenz-Zentren für einen kostenlosen Hörtest. Sie erhalten professionelle Unterstützung und Beratung von unseren Hörspezialistinnen und Hörspezialisten, die gerne mit Ihnen die Hörlösung für Ihren Tinnitus auswählen, die am besten zu Ihren Hörbedürfnissen und Ihrem Lebensstil passt. Falls Sie sich vor Ihrem Termin beim Arzt bzw. bei der Ärztin oder im Hansaton Hörkompetenz-Zentrum noch online erkundigen möchten, haben Sie unter anderem folgende Möglichkeiten:
Online-Hörtest
Wenn Sie Probleme mit Ihrem Gehör haben, sollte ein Hörtest Ihre erste Anlaufstelle sein. Dank Online-Hörtests geht das heute sehr schnell und unkompliziert. Im Internet gibt es eine große Auswahl und einige der Tests, wie der Online-Hörtest von Hansaton, können sogar anonym durchgeführt werden.
Bitte beachten Sie: Diese Online-Tests sind kein Ersatz für eine professionelle medizinische Diagnose – eine solche erfordert einen umfassenderen Ansatz. Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem HNO-Arzt oder Ihrer HNO-Ärztin und machen Sie die notwendigen Tests, um eine endgültige Diagnose zu erhalten.
zum Online-Hörtest Therapie und Behandlung bei Tinnitus
Rein körperlich ist Tinnitus meist nicht gefährlich – doch die ständige Geräuschbelastung kann das Leben erheblich beeinträchtigen. Vor allem bei chronischem Tinnitus leidet oft das psychische Wohlbefinden, was zu Stress, Schlafstörungen oder Konzentrationsproblemen führen kann. Deshalb zielt die Therapie nicht darauf ab, das Geräusch vollständig zu "heilen", sondern darauf, den Umgang mit dem Tinnitus zu erleichtern und seine Wahrnehmung langfristig zu verändern. Die Behandlung erfolgt dabei meist individuell abgestimmt – je nach Auslöser, Belastungsgrad und persönlichem Leidensdruck.
Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)
Die sogennante Tinnitus-Retraining-Therapie ist ein verhaltenstherapeutisches Konzept, das bei chronischem Tinnitus eingesetzt wird. Ziel ist es, das Gehirn daran zu gewöhnen, die Ohrgeräusche als neutral oder unbedeutend wahrzunehmen – ähnlich wie z. B. das Ticken einer Uhr im Hintergrund. Die Therapie basiert auf drei Säulen:
- Aufklärung und Beratung: Wer über die richtigen Informationen verfügt und die Thematik gut kennt, empfindet die Ohrgeräusche als weniger bedrohlich.
- Klangtherapie: Mittels Konzentration auf angenehme Geräusche (Zierbrunnengeplätscher, Naturklänge, Musik etc.) wird das negative Ohrgeräusch in den Hintergrund gedrängt.
- Steigerung des psychischen und physischen Wohlbefindens: Hierfür gibt es verschiedene, sehr individuelle Ansätze, von der Verhaltens- und Gesprächstherapie bis hin zu Yoga und Tai-Chi.
Therapie und Medikamente
Ein allgemeingültiges Medikament gegen Tinnitus gibt es bisher nicht – dennoch können begleitende Behandlungen mit Arzneimitteln in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Mögliche Einsatzbereiche:
- Kortison-Präparate bei akutem Tinnitus infolge eines Hörsturzes
- Beruhigungsmittel oder Antidepressiva, wenn Schlafstörungen, Angst oder depressive Symptome auftreten
- Durchblutungsfördernde Mittel – ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten, wird aber in Einzelfällen angewandt
- Vitaminpräparate oder Nahrungsmittelergänzung, etwa mit Magnesium, Zink oder B-Vitaminen – bei nachgewiesenem Mangel
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“Wichtig: Die Gabe von Medikamenten sollte immer ärztlich abgestimmt erfolgen. Eigenmedikation ohne klare Diagnose wird nicht empfohlen.
Hörgeräte und Noiser
Es könnte auch sein, dass Ihr HNO-Arzt oder Ihre HNO-Ärztin neben der Retraining-Therapie ein Kombi-Hörgerät empfiehlt. Solche Hörgeräte haben eine doppelte Wirkweise: Sie gleichen den Hörverlust aus, damit die Patientin bzw. der Patient äußere Geräusche wieder besser wahrnimmt, und sie lenken durch angenehme, positiv wahrgenommene Klänge vom lästigen Pfeifen oder Brummen ab. Tatsache ist: Etwa 80 % der Tinnitus-Betroffenen leiden gleichzeitig an einem Hörverlust. Und oft hat das Ohrensausen genau die Frequenz, die die betroffene Person am schlechtesten wahrnimmt.
Tinnitus mit Hörgeräten behandeln
Erfahren Sie, wie moderne Hörgeräte nicht nur den Hörverlust ausgleichen, sondern auch dabei helfen können, störende Ohrgeräusche wie Tinnitus wirksam in den Hintergrund zu drängen.
Mehr über Hörgeräte mit Tinnitus-FunktionHausmittel
Auch wenn Hausmittel keinen medizinischen Ersatz darstellen, können sie begleitend zur ärztlichen Therapie helfen, das Wohlbefinden zu steigern – besonders bei stressbedingtem Tinnitus oder leichten Beschwerden. Beliebte Hausmittel & Maßnahmen:
- Entspannungsübungen: Autogenes Training, Yoga oder Meditation helfen beim Stressabbau
- Atemtechniken: Bewusste Atmung kann Unruhe und Anspannung mindern
- Leichte Bewegung: Spazierengehen oder Schwimmen bringen Kreislauf und Nervensystem ins Gleichgewicht
- Ablenkung: Musik, Hörbücher oder Naturgeräusche helfen dabei, den Fokus vom Ohr wegzulenken
- Akupunktur, Akupressur oder sanfte Nackenmassagen, wenn Verspannungen den Tinnitus verstärken
Kritisch zu sehen sind Mittel wie Knoblauchöl, Ohrenkerzen oder Homöopathie – für deren Wirkung bei Tinnitus gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Nachweise.
Prävention: Wie kann ich Tinnitus vorbeugen?
Sie können Tinnitus vorbeugen. Hier haben wir einige Tipps zur Prävention von chronischen und akuten Ohrgeräuschen:
- Ursachen meiden und Ohren schützen: Gehen Sie übermäßigem Lärm aus dem Weg oder schützen Sie Ihre Ohren. Falls sich bestimmte Lärmquellen am Arbeitsplatz oder in der Freizeit nicht vermeiden lassen, verwenden Sie einen Gehörschutz.
- Allzu großem Stress aus dem Weg gehen: Denn Stress begünstigt die Entstehung von unangenehmen Ohrgeräuschen. Schalten Sie lieber einen Gang zurück, statt eines Tages ganz auszufallen.
- Zögern Sie nicht: Gehen Sie schon bei den ersten Anzeichen bzw. im akuten Stadium zum Arzt oder zur Ärztin. Denn je früher Sie sich bei ersten Ohrgeräuschen von einer Expertin oder einem Experten beraten lassen und mit einer adäquaten Therapie behandelt werden, desto besser sind Ihre Heilungschancen.
Alltagsstrategien für Tinnitus-Betroffene
In mehreren Studien2 wurde ein direkter Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des Tinnitus, der Stressintensität und der Stressdauer festgestellt. Einfach ausgedrückt: Je mehr Stress Sie haben, desto penetranter und länger dauert der Tinnitus.
Außerdem gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen Stress und der Entstehung von Tinnitus. In einer Studie3 aus dem Jahr 2015 mit dem Titel „Stress und Tinnitus“ gaben 53,6 % der Personen mit Tinnitus an, dass ihr Tinnitus während einer besonders stressigen Zeit begann. Außerdem berichteten 52,8 %, dass sich ihr Zustand unter erhöhtem Stress verschlimmert hat.
Falls Sie bereits einen Tinnitus haben, haben wir ein paar Selbsthilfetipps und Hausmittel zur Linderung von Tinnitus für Sie:
Ohrenschmalz kann Infektionen und Ohrenschmerzen verursachen, wenn es nicht richtig entfernt wird. Es kann aber auch zu einem vorübergehenden Hörverlust und Tinnitus führen. Generell gilt: Stecken Sie sich nie etwas in den Gehörgang, was kleiner ist als Ihr Ellbogen! Das mag zwar albern klingen, ist aber ein guter Ratschlag. Sie riskieren schwere Verletzungen des Trommelfells, wenn Sie Ihre Finger, Wattestäbchen oder gar scharfe Gegenstände in den Gehörgang einführen.
Integrieren Sie entzündungshemmende Lebensmittel in Ihre täglichen Mahlzeiten. Das kann Formen des Tinnitus lindern, die durch ein chronisch entzündetes Innenohr verursacht werden. Lebensmittel wie Tomaten, grünes Blattgemüse, Nüsse und Nussbutter, Olivenöl und fetthaltiger Fisch wie Lachs, Sardinen und Makrelen lindern Entzündungen und die Symptome von Tinnitus.
Dieser Ratschlag wird Sie nicht überraschen. Schließlich geht es bei einem Tinnitus oft um ein stressbedingtes Leiden. Wenn Sie sich also entspannen, sollte sich logischerweise auch Ihr Tinnitus verbessern. Zu Beginn ist es wichtig, Stressoren zu erkennen: Identifizieren Sie die Hauptursachen für Ihren Stress und versuchen Sie, diese zu reduzieren oder zu beseitigen – sowohl im Beruf als auch im Privatleben.
Wenn Sie die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-based Stress Reduction – MBSR) noch nicht ausprobiert haben, sollten Sie es auf jeden Fall einmal damit versuchen. Auch zu empfehlen. ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Das ist eine wissenschaftlich belegte Entspannungstechnik, die noch dazu leicht zu erlernen ist. Dabei werden im Liegen einzelne Muskelgruppen fortschreitend (progressiv) angespannt und wieder lockergelassen. Nach und nach verlangsamen sich dadurch Atmung und Herzschlag und Sie werden ruhiger.
Ein ständiges Brummen oder Klingeln im Ohr nervt. Wenn Sie sich bewusst um Ablenkung bemühen, kann das helfen, die Symptome zu lindern. Verbringen Sie mehr Zeit mit Aktivitäten wie Kunst, Sport oder anderen Freizeitbeschäftigungen, die Ihnen Spaß machen. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten, sollte das die Symptome lindern.
Musik oder andere Geräusche aus dem Radio oder Fernseher können sehr hilfreich sein. Wenn Sie externe Geräusche mit geringer Lautstärke abspielen, können Sie damit interne Geräusche übertönen. Auch eine Geräuschmaskierung durch beispielsweise Zimmer-Springbrunnen-Plätschern, Kaminfeuer-Knistern, Naturgeräusche oder Meditationsmusik kann die mit dem Tinnitus verbundenen Geräusche überdecken und eine Linderung bewirken.
Bei der Klangtherapie werden externe Geräusche eingesetzt, um Patientinnen und Patienten zu helfen, den Tinnitus anders wahrzunehmen. Bei rund 80 % der Betroffenen tritt Tinnitus gemeinsam mit einem Hörverlust auf. In diesen Fällen ist es oft hilfreich, auf Kombi-Hörgeräte zu setzen. Da Hörgeräte die externen Geräusche verstärken, helfen sie, die Aufmerksamkeit der betroffenen Person von den internen Geräuschen abzulenken. Und weil diese spezialisierten Hörgeräte immer getragen werden können, helfen sie den ganzen Tag. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Geräten mit weißem Rauschen müssen Geräte mit gefilterter Musik nur zeitweise getragen werden, z. B. während Therapiesitzungen, vor dem Schlafengehen oder direkt nach dem Aufwachen. Der größte Vorteil ist, dass Sie so eine langfristige Verbesserung erzielen können. Schlaf- und Sound-Apps sind eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, um Tinnitus zu lindern. Viele dieser Apps können kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr heruntergeladen werden.
Bewegung und Sport helfen auch Normalhörenden beim Stressabbau. Daher eignen sie sich auch hervorragend gegen Tinnitus durch Stress. Fast jede Form von Bewegung kann Stress reduzieren, die Ausschüttung von Endorphinen steigern und Sie vom Alltag ablenken. Regelmäßig ausgeübte sportliche Aktivitäten, also ein aktiver Lebensstil, können dazu beitragen, für Entspannung zu sorgen und den durch Stress ausgelösten Tinnitus zu minimieren. Auch Schlafmangel kann Stress verschlimmern und Tinnitus-Symptome verstärken. Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen und dauerhaft ein gesundes Schlafmuster beibehalten.
Sogenannte Stressbewältigungstechniken können erlernt werden. Sie helfen den Atem zu verlangsamen und den Blutdruck und die Herzfrequenz zu senken, was wiederum Tinnitus-Symptome reduzieren kann. Obwohl viele Menschen Entspannungstechniken mit kognitiver Verhaltenstherapie vergleichen, gibt es viele Unterschiede: Zu den gebräuchlichsten Entspannungstechniken gehören Atemübungen, progressive Muskelentspannung, Visualisierungen, Selbsthypnose, autogenes Training und Biofeedback-gestützte Entspannung.
Ein ungesunder Lebensstil und dauerhafter Stress sind die Hauptauslöser von Tinnitus. Zu viel Nikotin, Schokolade, Alkohol und zuckerhaltige Getränke können Tinnitus-Symptome verschlimmern. Andere Auslöser sind laute Geräusche, Ohrenschmalz, Verstopfung der Gehörgänge, hoher oder niedriger Blutdruck, bestimmte Medikamente und Schlafprobleme. Im Prinzip können alle erwähnten Punkte ein Tinnitus-Trigger sein, jedoch ist das von Person zu Person unterschiedlich. Wenn Sie sich gesund ernähren, sich ausreichend bewegen und auf Ihr Stresslevel im Alltag achten, ist das ein guter Anfang – besonders auch, um weitere Krankheiten zu vermeiden, die parallel zum Tinnitus auftreten können und zusätzlich belastend wirken.
Die kognitive Verhaltenstherapie konzentriert sich auf den Umgang mit Tinnitus. In den Therapiestunden geht es um die mentalen und emotionalen Reaktionen auf den Tinnitus und Ziel ist es, positive Veränderungen in Ihrem Denken und Verhalten zu erreichen. So lernen Sie, besser mit Ihrem Tinnitus umzugehen und zu leben. Die Arbeit mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin hilft Ihnen, die Sichtweise auf den Tinnitus in Ihrem Leben zu ändern. Anstatt sich auf all die Dinge zu konzentrieren, die Sie wegen des Tinnitus nicht tun können, ermutigt Sie die Therapie, sich darauf zu konzentrieren eine angenehmere Umgebung zu schaffen.
Tragen Sie stets einen Gehörschutz, wenn Sie sich Lärm oder lauter Musik aussetzen – etwa bei Konzerten, im Straßenverkehr oder beim Heimwerken. Lärm kann nicht nur das bestehende Ohrgeräusch verstärken, sondern auch das Risiko eines erneuten Tinnitus-Schubs erhöhen. Einfache Ohrstöpsel oder individuell angepasster Gehörschutz helfen dabei, Ihr Gehör langfristig zu schützen – auch im Alltag.
Beeinflusst das Wetter meinen Tinnitus?
Wetterverstärkter Tinnitus ist ein Phänomen, bei dem Ohrgeräusche wie Klingeln oder Brummen durch bestimmte Wetterbedingungen verstärkt oder ausgelöst werden. Viele Betroffene wissen nicht, dass der Tinnitus vom Wetter und Klima beeinflusst werden kann:
Ein häufiger Faktor bei wetterverstärktem Tinnitus ist der Luftdruck. Wenn dieser abrupt abfällt, wie es bei herannahendem schlechtem Wetter der Fall sein kann, kann das dazu führen, dass sich Flüssigkeiten im Innenohr bewegen und den Tinnitus vorübergehend verstärken.
Im deutschsprachigen Raum gibt es bis jetzt nur wenige Studien über den Zusammenhang zwischen Tinnitus und dem Wetter. International wurde das Thema jedoch bereits mehrfach untersucht.
Extreme Temperaturveränderungen, besonders wenn sie rasch auftreten, können den Blutfluss im Innenohr beeinflussen und den Tinnitus intensivieren.
Manche Menschen berichten von einer Verschlechterung ihres Tinnitus bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das könnte mit der Schwellung des Innenohrgewebes in Verbindung stehen.
Ein gestörtes vestibuläres System – das ist der Teil des Innenohrs, der das Gleichgewicht steuert – könnte den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Tinnitus erklären. Die Flüssigkeit im Innenohr kann empfindlich auf Veränderungen des Luftdrucks reagieren. Wenn der Druck plötzlich abfällt, kann eine Reaktion im Ohr dazu führen, dass der Tinnitus sich plötzlich verstärkt.
Tipps für Angehörige von Menschen mit Tinnitus
Hier sind einige praktische Tipps, um Menschen mit Tinnitus zu helfen, die Beschwerden zu lindern:
- Seien Sie einfühlsam und verständnisvoll, damit die Person mit Tinnitus Vertrauen fasst und sich mit ihren Problemen an Sie wendet
Wenn Sie zusammen ausgehen oder ein Treffen vereinbaren, fragen Sie, ob es einen Ort gibt, der bevorzugt wird. Einige Treffpunkte könnten wegen der guten Geräuschkulisse angenehmer als andere sein.
Hören Sie geduldig zu, wenn der oder die Betroffene über Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit Tinnitus spricht
Bieten Sie an, sich gemeinsam an Situationen zu erinnern, die den Tinnitus verschlimmert haben. Diese Situationen können Sie dann in Zukunft meiden.
Wenn die Person mit Tinnitus Ihr Ehepartner/Lebensgefährte oder Ihre Ehepartnerin/Lebensgefährtin ist, kann der Tinnitus zu einem Beziehungsproblem werden. Sprechen Sie offen und ehrlich darüber, wie der Umgang mit dem Tinnitus Sie beide belastet.
Schlagen Sie vor, den Tinnitus professionell von einer Ärztin, einem Arzt oder einer zertifizierten Hörspezialistin bzw. einem zertifizierten Hörspezialisten untersuchen zu lassen. Die Ursachen zu verstehen, ist der erste Schritt zu einem effektiven Umgang mit Tinnitus.
Am wichtigsten ist es, optimistisch zu bleiben. Tinnitus kann inzwischen behandelt werden. Ermutigen Sie betroffene Personen, sich Hilfe zu suchen.
1 Jamil Al-Swiahb, Shi Nae Park Characterization of tinnitus in different age groups: A retrospective review. Noise Health. 2016 Jul-Aug; 18(83): 214–219.
2 Mazurek B. et al., Tinnitus und beeinflussende Komorbiditäten. 2023. DOI 10.1055/a-1950-6149
3 Mazurek B. et a., Stress and tinnitus. 2015. DOI 10.1007/s00106-014-2973-7