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Millionen von Menschen leiden unter lästigen Ohrgeräuschen, die auch als Tinnitus bezeichnet werden. In vielen Fällen hält das Ohrensausen nur kurzfristig an, manchmal tönt es aber auch über Monate oder gar Jahre. Jeder zweite Mensch leidet mindestens einmal im Leben darunter. Auf dieser Tinnitus-Ratgeberseite gehen wir auf die Symptome, die unterschiedlichen Arten und Ursachen sowie auf Behandlungsmöglichkeiten von Tinnitus ein und wir geben einen Überblick für Betroffene und deren Angehörige.

Was ist Tinnitus?

Tinnitus wird häufig als „Klingeln im Ohr“ bezeichnet, die Geräusche können jedoch sehr unterschiedlich sein. Auch ein Zischen, Rauschen, Summen oder Klicken kann im Ohr ertönen. Es gibt keine einheitliche Definition, aber im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Menschen mit Tinnitus ein Geräusch wahrnehmen, das für andere nicht hörbar ist, weil es keine äußere Quelle dieses Geräusches gibt. Somit ist Tinnitus ein Phantomgeräusch ohne externe Schallquelle und seine Entstehung im Innenohr und Gehirn gibt der Wissenschaft noch immer Rätsel auf. Fest steht nur: Es handelt sich nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom. Sehr häufig geht Tinnitus mit einem Hörverlust einher. Bei ca. 80 % der Betroffenen besteht auch eine Schwerhörigkeit.
 
Das Klingeln im Ohr kann in einem oder in beiden Ohren wahrgenommen werden, in jedem Alter auftreten und betrifft ca. 15 % der Bevölkerung. Ältere Erwachsene im Alter von 60–69 Jahren sind am häufigsten davon betroffen.1

Erkennen der Tinnitus-Symptome

Es ist wichtig, Anzeichen für Tinnitus frühzeitig zu erkennen und gleich zu handeln, damit der Tinnitus nicht dauerhaft bestehen bleibt. Auf folgende Tinnitus-Geräusche sollten Sie achten:
 
  1. Ein konstantes Klingeln in beiden Ohren
Besonders in Momenten der Stille ist dieser Tinnitus penetrant. Denn dann wird er nicht durch andere Geräusche übertönt.
  1. Ein lautes Pochen in beiden Ohren oder ein Klingeln in einem Ohr
    Wie das ständige Klingeln ist auch lautes Pochen im Kopf ein Phantomgeräusch, das sich hartnäckig hält. Es klingt wie eine große Trommel oder eine Bassgitarre, die mit dem Herzschlag im Einklang ist. Dies könnte ein Anzeichen für einen pulsierenden bzw. pulssynchronen Tinnitus sein. 
  2. Sie hören Musik
    Es gibt eine Art von Tinnitus, die sich als „musikalische Halluzinationen“ äußert. Dann hören Sie zum Beispiel Hintergrundmusik, für die es keine äußere Ursache gibt. Wenn dieser Zustand andauert, könnten Sie einen Tinnitus haben.
 
Wie stark die Tinnitus-Symptome ausgeprägt sind, variiert von Fall zu Fall. Bei einigen Betroffenen treten die Geräusche nur vorübergehend auf, während sie bei anderen ein chronisches Problem darstellen können.

Arten von Tinnitus

Obwohl es schwierig ist, genau zu sagen, wie viele Menschen gelegentlich oder dauerhaft ein unerklärliches Klingeln, Rauschen oder Brummen im Ohr hören, ist das Problem weit verbreitet. Betroffene nehmen die Ohrgeräusche hinsichtlich Klang und Intensität ganz unterschiedlich wahr.
 
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden unter anderem zwischen dem objektiven, dem subjektiven, dem sensorischen, dem somatischen und dem pulssynchronen Tinnitus. Aufgrund der Vielfalt haben wir den Arten von Tinnitus einen eigenen Artikel auf unserer Website gewidmet.
 
Wenn Sie eines der oben genannten Symptome verspüren, sollten Sie einen Termin bei einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt vereinbaren. Dort erhalten Sie nicht nur mehr Informationen über die Ursachen Ihrer Beschwerden, sondern können durch die passende Behandlung auch mögliche Langzeitschäden an Ihrem Gehör verhindern.
Einige der häufigsten Ursachen sind: 
 
  • Übermäßige Lärmbelastung
  • Innenohrerkrankungen
    Durch ein Knalltrauma, einen Hörsturz oder Altersschwerhörigkeit kann im Innenohr die Ursache für einen Tinnitus entstehen.
  • Verstopfung des Gehörgangs (z. B. durch Ohrenschmalzablagerungen) oder der Nase bzw. Druck in den Nebenhöhlen
  • Stressbedingter Tinnitus kommt in der heutigen Zeit sehr oft vor
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit (altersbedingt oder lärmbedingt)
  • Bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, z. B. ototoxische Medikamente (Antirheumatika, Antibiotika)
  • Funktionsstörungen des Kiefergelenks
  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
  • Verletzungen am Kopf oder Hals
  • Chronische Nackenmuskelzerrung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Ein Tumor, der auf die Arterien im Hals und Kopf drückt
Aber auch andere Erkrankungen können die Ursache für Tinnitus sein:
 
  • Gleichgewichtsstörungen wie die Menière-Krankheit, Otosklerose
  • Stoffwechselstörungen wie Hypothyreose
  • Psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen
  • Autoimmunerkrankungen infolge einer Borreliose
  • Blutgefäßerkrankungen wie Bluthochdruck
  • Tumorbedingte Erkrankungen wie das Akustikusneurinom (sehr selten)
 
Obwohl die Liste möglicher gesundheitlicher Probleme im Zusammenhang mit Tinnitus recht lang ist, bedeutet ein Klingeln im Ohr nicht automatisch, dass Sie eine der oben genannten Erkrankungen haben. Deshalb ist es wichtig, Ihre HNO-Ärztin bzw. Ihren HNO-Arzt aufzusuchen, um Ihr Gehör untersuchen zu lassen. Wenn es ihm oder ihr gelingt, die Ursache des Tinnitus herauszufinden, können Ihre Beschwerden gezielt behandelt werden.
 

Ursachen und Risikofaktoren von Tinnitus

Für manche Menschen ist ihr Tinnitus kaum wahrnehmbar, für andere sind die Ohrgeräusche jedoch unerträglich. Obwohl sich die Wissenschaft bereits ausgiebig mit den Arten und möglichen Ursachen von Tinnitus befasst hat, gibt es bis heute noch kein Heilmittel.
 
Klar ist jedoch eines: Ein Tinnitus ist weder eine Halluzination noch eine eingebildete Krankheit. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie Ihre Ohren von einem Arzt oder einer Ärztin untersuchen lassen oder Ihrem Hörakustiker oder Ihrer Hörakustikerin einen Besuch abstatten. Er bzw. sie kann zum Beispiel feststellen, ob Ihr Gehör geschädigt ist oder ob es andere mögliche Ursachen für Ihre Ohrprobleme gibt.

Häufige Auslöser und Risikofaktoren für Tinnitus

Auch wenn die Ursachen noch nicht vollends geklärt sind, gibt es Erfahrungswerte und laufende Informationen aus der Wissenschaft. Und daher sind auch bestimmte Auslöser bekannt, die die Entstehung von Tinnitus begünstigen:
 
  • Stress
Was früher nur ein Verdacht war, gilt heute als gesichert: Stress begünstigt die Entstehung von Ohrensausen. Studien haben gezeigt, dass Hörsturz- und Tinnitus-Betroffene davor häufiger unter starkem Stress standen als andere HNO-Patientinnen und HNO-Patienten.
 
  • Medikamente
Bestimmte Schmerz- und Rheumamedikamente, Mittel gegen Malaria sowie einige Antidepressiva können das Symptom Tinnitus auslösen. Unter Verdacht stehen auch verschiedene Mittel gegen hohen Blutdruck, unter anderem ACE-Hemmer und Betablocker.
 
  • Lärm
Eine übermäßige Belastung des Gehörs durch laute Geräusche gilt als häufigster Auslöser von Tinnitus. Wer sich jahrelang regelmäßig und ohne geeigneten Gehörschutz in einem lauten Umfeld bewegt, hat ein stark erhöhtes Tinnitus-Risiko. Dasselbe gilt für Patientinnen und Patienten mit einem Knalltrauma.
 
  • Genussmittel
Manche Expertinnen und Experten sind der Ansicht, dass Alkohol und Nikotin die Entstehung von Tinnitus begünstigen können. Früher bestand dieser Verdacht auch bei Koffein. Inzwischen gibt es aber Studien, die vermuten lassen, dass ein hoher Kaffeekonsum das Tinnitus-Risiko eher senkt.

Wann ist ein Besuch beim Arzt oder bei der Ärztin notwendig?

Wenn das Ohrgeräusch länger als 24 Stunden anhält, sollten Sie einen Experten oder eine Expertin aufsuchen. Denn je früher Sie bei einem akuten Tinnitus aktiv werden, desto besser sind Ihre Heilungschancen. Und desto eher können Sie einen chronischen Tinnitus vermeiden.
 
Bei folgenden Symptomen sollten Sie einen Termin bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin vereinbaren:
Sie haben seit mehr als einer Woche ein Klingeln in den Ohren
Wenn Sie heute in der Früh mit einem leichten Klingeln in Ihrem Ohr aufgewacht sind, ist das möglicherweise kein Grund zur Sorge. Vielleicht haben Sie Wasser im Ohr, das von der Poolparty gestern Abend stammt, oder es hat sich Ohrenschmalz (Cerumen) angesammelt.

Wenn Sie jedoch schon seit einer Woche ein ständiges Klingeln, Rauschen oder Brummen im Ohr haben, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um abklären zu lassen, ob eine Erkrankung vorliegt. Auch wenn Ihr Tinnitus erträglich ist und die Symptome anhalten, sollten Sie nicht zögern, zu einer Ärztin oder einem Arzt zu gehen.
Sie haben Ausfluss aus dem Ohr
Wenn Ausfluss aus dem Ohr austritt und Sie außerdem ein ständiges Klingeln oder Summen wahrnehmen, haben Sie möglicherweise eine Ohrinfektion.
Kinder leiden besonders häufig unter Ohrinfektionen: Die meisten Kinder haben vor ihrem dritten Geburtstag zumindest eine Ohrinfektion. Eine Ohrenentzündung tritt auf, wenn der luftgefüllte Raum im Mittelohr von einer Infektion befallen wird. Das Ohr schmerzt dabei in der Regel.

Manche Ohrinfektionen verschwinden von selbst, Sie sollten sich im Zweifelsfall aber immer an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin wenden – er bzw. sie kann unterstützen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Bleiben Ohrinfektionen über einen längeren Zeitraum unbehandelt, können sie zu Hörverlust, Mastoiditis oder einem Riss im Trommelfell führen.

Diese Art von Tinnitus ist in der Regel nicht von Dauer, aber es lohnt sich, die Meinung einer medizinischen Fachkraft einzuholen.
Ihnen ist schwindlig oder übel
Wenn Ihr Tinnitus von Schwindel oder Übelkeit begleitet wird, sollten Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Tinnitus kann viele Ursachen haben, aber Schwindel und Übelkeit sind auch Symptome der Menière-Krankheit.
 
Sie hören den Tinnitus nur auf einem Ohr
Tinnitus tritt normalerweise bilateral auf (in beiden Ohren). Wenn der Tinnitus jedoch nur einseitig auftritt, sollten Sie so schnell wie möglich einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Ein einseitiger Tinnitus ist in der Regel ein Anzeichen für Morbus Menière oder einen Hörsturz.
 
Der Tinnitus pulsiert rhythmisch mit Ihrem Puls
Ein Tinnitus kann konstant oder unregelmäßig sein. Wenn Sie jedoch feststellen, dass der Tinnitus im Takt Ihres Pulses schlägt, sollten Sie einen Termin bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vereinbaren. Ein pulsierender bzw. pulssynchroner Tinnitus kann auf Bluthochdruck und Gefäßfehlbildungen, Kopf- und Halstumoren oder Aneurysmen hindeuten.

Die meisten zugrunde liegenden Erkrankungen sind jedoch nicht sehr ernst – ein pulsierender Tinnitus ist häufig nur ein Hinweis auf ein Blutgefäß im Trommelfell. Bei weniger als 10 % der von pulsierendem Tinnitus betroffenen Personen ist das Ohrgeräusch pulssynchron und das Geräusch ist für Ärzte und Ärztinnen oft hörbar.
 

Untersuchungsverfahren und Diagnoseprozess

Wenn Ihr Tinnitus Sie sehr belastet, sollten Sie sich auf alle Fälle professionelle Hilfe suchen. Sei es im medizinischen Bereich bei einem HNO-Arzt bzw. einer HNO-Ärztin oder bei psychologischen Stellen, wenn das Ohrgeräusch Sie im Alltag sehr stört.
 
Die beste Information und Hilfe, um erst mal eine Diagnose und eine umfangreiche medizinische Abklärung zu erhalten, bekommen Sie bei Ihrem HNO-Arzt oder Ihrer HNO-Ärztin. Die HNO-Untersuchung bei von Tinnitus betroffenen Personen ist auf die Bedürfnisse von Menschen mit Ohrgeräuschen abgestimmt.
 
Die HNO-Untersuchung bei Tinnitus läuft für gewöhnlich so ab:
1. Befragung
Ausschlaggebend für die Diagnose und Therapie von Ohrgeräuschen ist das erste ausführliche Gespräch (das sogenannte Anamnese-Gespräch) der betroffenen Person mit dem HNO-Arzt bzw. der HNO-Ärztin. Dabei werden Fragen zu Vorerkrankungen, zu möglichen Auslösern sowie zum störenden Geräusch selbst gestellt. Und der Arzt bzw. die Ärztin versucht abzuschätzen, wie groß der durch den Tinnitus verursachte Leidensdruck ist.
 
Bereiten Sie sich auf folgende Fragen vor:
  • Bestehen Vorerkrankungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Wann ist das Ohrgeräusch zum ersten Mal aufgetaucht? Lässt es sich auf eine Ursache zurückführen?
  • Kam der Tinnitus plötzlich oder hat er sich schleichend entwickelt?
  • Wie hört sich der Tinnitus an?
  • Gab es einen möglichen Auslöser wie z. B. ein Knalltrauma, Dauerlärm oder eine außergewöhnliche Stresssituation?
 
Manchmal werden auch Fragebögen verwendet, um zu beurteilen, wie sich die Erkrankung auf Ihre Lebensqualität auswirkt. Gleichzeitig soll die Ursache für den Tinnitus ermittelt werden, um ihn gezielt zu behandeln. Wenn das Ohrensausen nicht mit einer anderen Erkrankung in Verbindung gebracht werden kann, ist das Ziel der Behandlung, die Tinnitus-Symptome zu lindern. 
 
2. Hörtest und MRT
Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen des Gehörs, unter anderem ein Hörtest und eine Gleichgewichtsprüfung. So kann der HNO-Arzt oder die HNO-Ärztin feststellen, ob gleichzeitig auch ein Hörverlust oder eine Erkrankung des Gehörsystems vorliegt.
 
Der Arzt bzw. die Ärztin wird wahrscheinlich als Erstes eine audiologische Untersuchung und einen Hörtest durchführen. Zum Schluss folgt die eigentliche Tinnitus-Analyse, bei der die Lautstärke und Tonhöhe des Ohrgeräuschs ermittelt werden.
 
Gegebenenfalls wird eine MRT (Magnetresonanztomographie) angeordnet. Die MRT dient dazu, ernstere Ursachen wie ein Akustikusneurinom oder eine andere organische Ursache des Tinnitus auszuschließen.
 
3. Behandlung bzw. Therapie
Je nach Form und Schweregrad des Tinnitus werden in der HNO-Praxis ein individueller Behandlungsplan erstellt und entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet.
 

Einen Hörtest und eine ausführliche Hörberatung, wenn Sie einen Hörverlust vermuten, erhalten Sie auch bei Hansaton – und das kostenlos. Vereinbaren Sie einen Termin in einem unserer Hansaton Hörkompetenz-Zentren für einen kostenlosen Hörtest. Sie erhalten professionelle Unterstützung und Beratung von unseren Hörspezialistinnen und Hörspezialisten, die gerne mit Ihnen die Hörlösung für Ihren Tinnitus auswählen, die am besten zu Ihren Hörbedürfnissen und Ihrem Lebensstil passt.
 
Falls Sie sich vor Ihrem Termin beim Arzt bzw. bei der Ärztin oder im Hansaton Hörkompetenz-Zentrum noch online erkundigen möchten, haben Sie unter anderem folgende Möglichkeiten:

Online-Hörtest

Wenn Sie Probleme mit Ihrem Gehör haben, sollte ein Hörtest Ihre erste Anlaufstelle sein. Dank Online-Hörtests geht das heute sehr schnell und unkompliziert. Im Internet gibt es eine große Auswahl und einige der Tests, wie der Online-Hörtest von Hansaton, können sogar anonym durchgeführt werden.

Bitte beachten Sie: Diese Online-Tests sind kein Ersatz für eine professionelle medizinische Diagnose – eine solche erfordert einen umfassenderen Ansatz. Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem HNO-Arzt oder Ihrer HNO-Ärztin und machen Sie die notwendigen Tests, um eine endgültige Diagnose zu erhalten.

Behandlungsoptionen bei Tinnitus

Rein medizinisch betrachtet ist Tinnitus nicht schädlich. Die permanente Lärmbelästigung kann jedoch mit der Zeit der Psyche zusetzen. Neben dem Einsatz von Medikamenten wird aktuell auch die Tinnitus-Retraining-Therapie eingesetzt. Auch Hörgeräte können unterstützen.
 
Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT):
 
1. Säule: Aufklärung und Beratung – wer über die richtigen Informationen verfügt und die Thematik gut kennt, empfindet die Ohrgeräusche als weniger bedrohlich.
2. Säule: Klangtherapie – mittels Konzentration auf angenehme Geräusche (Zierbrunnengeplätscher, Naturklänge, Musik etc.) wird das negative Ohrgeräusch in den Hintergrund gedrängt.
3. Säule: Steigerung des psychischen und physischen Wohlbefindens – hierfür gibt es verschiedene, sehr individuelle Ansätze, von der Verhaltens- und Gesprächstherapie bis hin zu Yoga und Tai-Chi.
 
Hörgeräte und Noiser
 
Es könnte auch sein, dass Ihr HNO-Arzt oder Ihre HNO-Ärztin neben der Retraining-Therapie ein Kombi-Hörgerät empfiehlt. Solche Hörgeräte haben eine doppelte Wirkweise: Sie gleichen den Hörverlust aus, damit die Patientin bzw. der Patient äußere Geräusche wieder besser wahrnimmt, und sie lenken durch angenehme, positiv wahrgenommene Klänge vom lästigen Pfeifen oder Brummen ab. Tatsache ist: Etwa 80 % der Tinnitus-Betroffenen leiden gleichzeitig an einem Hörverlust. Und oft hat das Ohrensausen genau die Frequenz, die die betroffene Person am schlechtesten wahrnimmt.

Leben mit Tinnitus: Vorbeugung und Tipps für den Alltag mit Tinnitus

Sie können Tinnitus vorbeugen. Hier haben wir einige Tipps zur Prävention von chronischen und akuten Ohrgeräuschen:
  • Ursachen meiden und Ohren schützen
    Gehen Sie übermäßigem Lärm aus dem Weg oder schützen Sie Ihre Ohren. Falls sich bestimmte Lärmquellen am Arbeitsplatz oder in der Freizeit nicht vermeiden lassen, verwenden Sie einen Gehörschutz.
  • Allzu großem Stress aus dem Weg gehen
    Denn Stress begünstigt die Entstehung von unangenehmen Ohrgeräuschen. Schalten Sie lieber einen Gang zurück, statt eines Tages ganz auszufallen.
  • Zögern Sie nicht!
    Gehen Sie schon bei den ersten Anzeichen bzw. im akuten Stadium zum Arzt oder zur Ärztin. Denn je früher Sie sich bei ersten Ohrgeräuschen von einer Expertin oder einem Experten beraten lassen und mit einer adäquaten Therapie behandelt werden, desto besser sind Ihre Heilungschancen.

Alltagsstrategien für Tinnitus-Betroffene

In mehreren Studien wurde ein direkter Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des Tinnitus, der Stressintensität und der Stressdauer festgestellt. Einfach ausgedrückt: Je mehr Stress Sie haben, desto penetranter und länger dauert der Tinnitus.

Außerdem gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen Stress und der Entstehung von Tinnitus. In einer Studie aus dem Jahr 2015 mit dem Titel „Stress und Tinnitus“ gaben 53,6 % der Personen mit Tinnitus an, dass ihr Tinnitus während einer besonders stressigen Zeit begann. Außerdem berichteten 52,8 %, dass sich ihr Zustand unter erhöhtem Stress verschlimmert hat.
 
Falls Sie bereits einen Tinnitus haben, haben wir ein paar Selbsthilfetipps und Hausmittel zur Linderung von Tinnitus für Sie:
Tipp 1: Ohren reinigen
Ohrenschmalz kann Infektionen und Ohrenschmerzen verursachen, wenn es nicht richtig entfernt wird. Es kann aber auch zu einem vorübergehenden Hörverlust und Tinnitus führen.

Generell gilt: Stecken Sie sich nie etwas in den Gehörgang, was kleiner ist als Ihr Ellbogen! Das mag zwar albern klingen, ist aber ein guter Ratschlag. Sie riskieren schwere Verletzungen des Trommelfells, wenn Sie Ihre Finger, Wattestäbchen oder gar scharfe Gegenstände in den Gehörgang einführen.
Tipp 2: Entzündungshemmende Lebensmittel
Integrieren Sie entzündungshemmende Lebensmittel in Ihre täglichen Mahlzeiten. Das kann Formen des Tinnitus lindern, die durch ein chronisch entzündetes Innenohr verursacht werden. Lebensmittel wie Tomaten, grünes Blattgemüse, Nüsse und Nussbutter, Olivenöl und fetthaltiger Fisch wie Lachs, Sardinen und Makrelen lindern Entzündungen und die Symptome von Tinnitus.
Tipp 3: Entspannung
Dieser Ratschlag wird Sie nicht überraschen. Schließlich geht es bei einem Tinnitus oft um ein stressbedingtes Leiden. Wenn Sie sich also entspannen, sollte sich logischerweise auch Ihr Tinnitus verbessern.
 
Zu Beginn ist es wichtig, Stressoren zu erkennen: Identifizieren Sie die Hauptursachen für Ihren Stress und versuchen Sie, diese zu reduzieren oder zu beseitigen – sowohl im Beruf als auch im Privatleben.
 
MBSR: Wenn Sie die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-based Stress Reduction – MBSR) noch nicht ausprobiert haben, sollten Sie es auf jeden Fall einmal damit versuchen. MBSR ist ein achtwöchiges Achtsamkeitstrainingsprogramm, das 1979 von Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde. Ursprünglich sollte es chronisch kranken Patientinnen und Patienten helfen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht gut ansprachen. Das Programm wird heute häufig zur Stresslinderung empfohlen und ist ein wirksames Mittel gegen chronische Schmerzen, Angststörungen und Depressionen.
Das Hauptziel ist es, Achtsamkeit und die Selbstwahrnehmung zu kultivieren. Wenn Sie die Übungen in Ihren Alltag integrieren, wird es leichter, sich auf den Moment zu konzentrieren und letztendlich weniger gestresst und besorgt zu sein.
 
Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Das ist eine wissenschaftlich belegte Entspannungstechnik, die noch dazu leicht zu erlernen ist. Dabei werden im Liegen einzelne Muskelgruppen fortschreitend (progressiv) angespannt und wieder lockergelassen. Nach und nach verlangsamen sich dadurch Atmung und Herzschlag und Sie werden ruhiger.
Tipp 4: Ablenkung
Ein ständiges Brummen oder Klingeln im Ohr nervt. Wenn Sie sich bewusst um Ablenkung bemühen, kann das helfen, die Symptome zu lindern. Verbringen Sie mehr Zeit mit Aktivitäten wie Kunst, Sport oder anderen Freizeitbeschäftigungen, die Ihnen Spaß machen. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten, sollte das die Symptome lindern.
Tipp 5: Hintergrundgeräusche
Musik oder andere Geräusche aus dem Radio oder Fernseher können sehr hilfreich sein. Wenn Sie externe Geräusche mit geringer Lautstärke abspielen, können Sie damit interne Geräusche übertönen. Auch eine Geräuschmaskierung durch beispielsweise Zimmer-Springbrunnen-Plätschern, Kaminfeuer-Knistern, Naturgeräusche oder Meditationsmusik kann die mit dem Tinnitus verbundenen Geräusche überdecken und eine Linderung bewirken.
  • Klangtherapie
Bei der Klangtherapie werden externe Geräusche eingesetzt, um Patientinnen und Patienten zu helfen, den Tinnitus anders wahrzunehmen. Eine Klangtherapie kann die Intensität des Tinnitus verringern. Viele Geräte bieten verschiedene Stufen der Klangtherapie und generische Hintergrundgeräusche.
 
  • Hörgeräte und Noiser
Bei rund 80 % der Betroffenen tritt Tinnitus gemeinsam mit einem Hörverlust auf. In diesen Fällen ist es oft hilfreich, auf Kombi-Hörgeräte zu setzen. Da Hörgeräte die externen Geräusche verstärken, helfen sie, die Aufmerksamkeit der betroffenen Person von den internen Geräuschen abzulenken. Und weil diese spezialisierten Hörgeräte immer getragen werden können, helfen sie den ganzen Tag.
 
  • Gefilterte Musik
Im Gegensatz zu gewöhnlichen Geräten mit weißem Rauschen müssen Geräte mit gefilterter Musik nur zeitweise getragen werden, z. B. während Therapiesitzungen, vor dem Schlafengehen oder direkt nach dem Aufwachen. Der größte Vorteil ist, dass Sie so eine langfristige Verbesserung erzielen können.
 
  • Schlaf- und Sound-Apps
Schlaf-Apps sind eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, um Tinnitus zu lindern. Viele dieser Apps können kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr heruntergeladen werden.
 
Tipp 6: Bewegung, Training und Sport  
Bewegung und Sport helfen auch Normalhörenden beim Stressabbau. Daher eignen sie sich auch hervorragend gegen Tinnitus durch Stress. Fast jede Form von Bewegung kann Stress reduzieren, die Ausschüttung von Endorphinen steigern und Sie vom Alltag ablenken. Regelmäßig ausgeübte sportliche Aktivitäten, also ein aktiver Lebensstil, können dazu beitragen, für Entspannung zu sorgen und den durch Stress ausgelösten Tinnitus zu minimieren.
 
Auch Schlafmangel kann Stress verschlimmern und Tinnitus-Symptome verstärken. Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen und dauerhaft ein gesundes Schlafmuster beibehalten.
Tipp 7: Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen
Sogenannte Stressbewältigungstechniken können erlernt werden. Sie helfen den Atem zu verlangsamen und den Blutdruck und die Herzfrequenz zu senken, was wiederum Tinnitus-Symptome reduzieren kann.
 
Obwohl viele Menschen Entspannungstechniken mit kognitiver Verhaltenstherapie vergleichen, gibt es viele Unterschiede: Zu den gebräuchlichsten Entspannungstechniken gehören Atemübungen, progressive Muskelentspannung, Visualisierungen, Selbsthypnose, autogenes Training und Biofeedback-gestützte Entspannung.
Tipp 8: Vermeiden Sie Tinnitus-Auslöser
Ein ungesunder Lebensstil und dauerhafter Stress sind die Hauptauslöser von Tinnitus. Zu viel Nikotin, Schokolade, Alkohol und zuckerhaltige Getränke können Tinnitus-Symptome verschlimmern. Andere Auslöser sind laute Geräusche, Ohrenschmalz, Verstopfung der Gehörgänge, hoher oder niedriger Blutdruck, bestimmte Medikamente und Schlafprobleme. Im Prinzip können alle erwähnten Punkte ein Tinnitus-Trigger sein, jedoch ist das von Person zu Person unterschiedlich. Wenn Sie sich gesund ernähren, sich ausreichend bewegen und auf Ihr Stresslevel im Alltag achten, ist das ein guter Anfang – besonders auch, um weitere Krankheiten zu vermeiden, die parallel zum Tinnitus auftreten können und zusätzlich belastend wirken.
 
 
Tipp 9: Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie konzentriert sich auf den Umgang mit Tinnitus. In den Therapiestunden geht es um die mentalen und emotionalen Reaktionen auf den Tinnitus und Ziel ist es, positive Veränderungen in Ihrem Denken und Verhalten zu erreichen. So lernen Sie, besser mit Ihrem Tinnitus umzugehen und zu leben.

Die Arbeit mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin hilft Ihnen, die Sichtweise auf den Tinnitus in Ihrem Leben zu ändern. Anstatt sich auf all die Dinge zu konzentrieren, die Sie wegen des Tinnitus nicht tun können, ermutigt Sie die Therapie, sich darauf zu konzentrieren eine angenehmere Umgebung zu schaffen.
 
Tipp 10: Gehörschutz
Tragen Sie stets einen Gehörschutz, wenn Sie sich Lärm oder lauter Musik aussetzen.

Beeinflusst das Wetter meinen Tinnitus?

Wetterverstärkter Tinnitus ist ein Phänomen, bei dem Ohrgeräusche wie Klingeln oder Brummen durch bestimmte Wetterbedingungen verstärkt oder ausgelöst werden. Viele Betroffene wissen nicht, dass der Tinnitus vom Wetter und Klima beeinflusst werden kann:
1. Luftdruck
Ein häufiger Faktor bei wetterverstärktem Tinnitus ist der Luftdruck. Wenn dieser abrupt abfällt, wie es bei herannahendem schlechtem Wetter der Fall sein kann, kann das dazu führen, dass sich Flüssigkeiten im Innenohr bewegen und den Tinnitus vorübergehend verstärken.
Im deutschsprachigen Raum gibt es bis jetzt nur wenige Studien über den Zusammenhang zwischen Tinnitus und dem Wetter. International wurde das Thema jedoch bereits mehrfach untersucht.
2. Temperaturänderungen
Extreme Temperaturveränderungen, besonders wenn sie rasch auftreten, können den Blutfluss im Innenohr beeinflussen und den Tinnitus intensivieren.
3. Luftfeuchtigkeit
Manche Menschen berichten von einer Verschlechterung ihres Tinnitus bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das könnte mit der Schwellung des Innenohrgewebes in Verbindung stehen.

Ein gestörtes vestibuläres System – das ist der Teil des Innenohrs, der das Gleichgewicht steuert – könnte den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Tinnitus erklären. Die Flüssigkeit im Innenohr kann empfindlich auf Veränderungen des Luftdrucks reagieren. Wenn der Druck plötzlich abfällt, kann eine Reaktion im Ohr dazu führen, dass der Tinnitus sich plötzlich verstärkt.

Tipps für Angehörige von Menschen mit Tinnitus

Hier sind einige praktische Tipps, um Menschen mit Tinnitus zu helfen, die Beschwerden zu lindern:
  • Seien Sie einfühlsam und verständnisvoll, damit die Person mit Tinnitus Vertrauen fasst und sich mit ihren Problemen an Sie wendet
  • Wenn Sie zusammen ausgehen oder ein Treffen vereinbaren, fragen Sie, ob es einen Ort gibt, der bevorzugt wird. Einige Treffpunkte könnten wegen der guten Geräuschkulisse angenehmer als andere sein.
  • Hören Sie geduldig zu, wenn der oder die Betroffene über Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit Tinnitus spricht
  • Bieten Sie an, sich gemeinsam an Situationen zu erinnern, die den Tinnitus verschlimmert haben. Diese Situationen können Sie dann in Zukunft meiden.
  • Wenn die Person mit Tinnitus Ihr Ehepartner/Lebensgefährte oder Ihre Ehepartnerin/Lebensgefährtin ist, kann der Tinnitus zu einem Beziehungsproblem werden. Sprechen Sie offen und ehrlich darüber, wie der Umgang mit dem Tinnitus Sie beide belastet.
  • Schlagen Sie vor, den Tinnitus professionell von einer Ärztin, einem Arzt oder einer zertifizierten Hörspezialistin bzw. einem zertifizierten Hörspezialisten untersuchen zu lassen. Die Ursachen zu verstehen, ist der erste Schritt zu einem effektiven Umgang mit Tinnitus.
 
Am wichtigsten ist es, optimistisch zu bleiben. Tinnitus kann inzwischen behandelt werden. Ermutigen Sie betroffene Personen, sich Hilfe zu suchen.

Quellen

1 Jamil Al-Swiahb, Shi Nae Park Characterization of tinnitus in different age groups: A retrospective review. Noise Health. 2016 Jul-Aug; 18(83): 214–219.