TEXT FRANZISKA STIERSTORFER · FOTOS HANSATON, MIKE VOGL
Andreas Seiwald ist seit Jahren Hansaton Kunde. Denn ohne seine Hörgeräte wäre er, wie er sagt, „absolut aufgeschmissen“. Gerade eben auch, weil er nicht nur von einem starken Hörverlust betroffen ist, sondern auch blind. Der gebürtige Salzburger erzählt uns von seinen alltäglichen Herausforderungen und seiner großen Leidenschaft, dem Torball.

Überblick

Sind Sie von Geburt an blind und schwerhörig oder hat sich eine der beiden Konditionen erst später entwickelt?
Blind bin ich schon seit meiner Geburt. Zum jetzigen Zeitpunkt besitze ich noch circa 30 Prozent Hörleistung. Es wurde bei mir bereits in der Schulzeit bemerkt, mein Gehör wurde dann stetig schlechter und irgendwann war ein Hörgerät unausweichlich.
Wie lange tragen Sie bereits Hörgeräte?
Seit meiner frühen Schulzeit. Bei Hansaton bin ich seit mittlerweile mehr als 30 Jahren Kunde. Man muss sich nur vorstellen, dass die Hörgeräte früher sehr unpraktisch waren - ein großes Kästchen mit einem Kabel und einem Rad zum Lauter- und Leiserdrehen. Meine Lehrer mussten damals immer direkt hineinreden, sonst habe ich sie nicht verstanden. Viel zu groß und unbequem eben. Sport war damals auch nicht wirklich einfach. Ich bin gern Tandem gefahren und mochte Laufen, aber ohne Hörgerät war das problematisch und das unhandliche Ding ist oft einfach davongeflogen.
Was sind täglich Ihre größten Herausforderungen?
Ein ganz großes Thema: Straßenlärm. Besonders die neuen leisen Elektroautos haben es in sich, aber auch große, freie Flächen ohne Orientierungshilfen.
Wie hat sich Ihr Leben durch die Hörgerate verändert?
Seit ich Hörgeräte habe, habe ich beim Torball weniger Probleme, mich frei zu bewegen. Was mir sehr gut gefällt, sind die fünf verschiedenen Programme meiner Hörgeräte, dadurch kann ich je nach Umgebung und Akustik umschalten, damit ich zum Beispiel in der Natur Geräusche lauter wahrnehme oder mich gut unterhalten kann. Am hilfreichsten ist dabei das Automatik- Programm, das sich an viele Situationen von alleine anpasst.
»Die Hörgeräte verschaffen mir auch mehr Bewegungsfreiheit.«
Seit wann spielen Sie Torball und hat das Ihr Leben nachhaltig beeinflusst oder verändert?
Ich habe bereits während meiner Schulzeit angefangen, mit 12 oder 13 Jahren. Ohne Hörgeräte ist es unvorstellbar, weil ich sonst den Ball mit den Glöckchen nicht hören kann. Wenn ich das nicht hätte, dann hätte ich ein Problem. Torball ist mein liebstes Hobby, ich bin auf dem Spielfeld selbstständig und komme viel herum mit meiner Mannschaft, den Salzburger Stieren.
In welchen Situationen können Sie sich Ihre Hörgeräte heute nicht mehr wegdenken?
In keiner einzigen Situation – mein Gehör ist mein wichtigstes Organ und überlebenswichtig für mich, gerade auch, weil ich blind bin. Da ist es schon schlimm, wenn eines meiner beiden Hörgeräte ausfällt, weil zum Beispiel die Batterie leer ist!

Was ist Torball?

Training in der Halle
Torball wurde speziell für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt. Da die Sehbehinderung der Spieler variiert, tragen sie lichtundurchlässige Brillen, um gleiche Verhältnisse zu schaffen. Seit bereits vier Jahrzehnten erfreut sich Torball großer Beliebtheit, seit 1990 auch als offizielle Sportart der internationalen Blindensportorganisation IBSA. Torball ist ein Ballspiel, das von den Spielern höchste Konzentration, schnelle Reaktion und eine gute Kondition fordert. Das Spielfeld ist 16 m lang und 7 m breit und in der Mitte sind parallel zur Mittellinie drei Leinen in 40 cm Höhe gespannt. Der Ball muss für einen gültigen Wurf unter diesen Leinen hindurchgespielt werden. Damit die Spieler den Ball besser hören können, befinden sich im Inneren des Balles Glöckchen. Drei Personen bilden eine Mannschaft. Sie versuchen, den Ball so zu werfen, dass ein Tor beim Gegner erzielt wird. Eine Spielzeit beträgt zwei mal fünf Minuten, wobei die Rollen der Angreifer und Verteidiger während des Spiels gewechselt werden.