Lagerungsschwindel: Ursachen, Symptome & Behandlung

Lagerungsschwindel: Ursachen, Symptome & Behandlung
10 Min.
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2022
Datum der letzten Überarbeitung: 14. Dezember 2025
Lagerungsschwindel ist eine der häufigsten Schwindelursachen – besonders bei älteren Menschen. Die Attacken kommen meist plötzlich: Beim Umdrehen im Bett, Aufrichten oder Bücken dreht sich scheinbar alles. Das Gefühl ist unangenehm, aber in den meisten Fällen gut behandelbar und vollständig rückbildungsfähig. Wer versteht, wie Lagerungsschwindel entsteht und welche Übungen helfen, kann die Beschwerden oft rasch lindern. Dieser Ratgeber erklärt Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung – inklusive hilfreicher Übungen für zu Hause und Tipps zur Vorbeugung.
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Das Wichtigste auf einen Blick:
• Lagerungsschwindel (BPLS) bzw. Englisch Benign Paroxysmal Positional Vertigo, kurz BPPV, ist die häufigste Schwindelform und entsteht durch gelöste Otolithen im Gleichgewichtsorgan.
• Die Beschwerden äußern sich durch plötzliche Schwindelattacken, vor allem beim Umdrehen im Bett, Aufrichten oder Bücken.
• Die Erkrankung ist ungefährlich und lässt sich durch spezielle Lagerungsmanöver bzw. Befreiungsmanöver wie das Epley-Manöver sehr gut behandeln.
• In 80–90 % der Fälle verschwinden die Symptome innerhalb weniger Tage bis Wochen.
• Wiederkehrende Beschwerden sind möglich – regelmäßige Übungen und frühzeitige Abklärung verbessern die Prognose.

Überblick
Was ist Lagerungsschwindel?
Lagerungsschwindel ist die häufigste Schwindelform, besonders bei Menschen ab 60 Jahren. Studien zeigen, dass etwa 2–3 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mindestens einmal betroffen sind. Der medizinische Fachbegriff lautet Lagerungsvertigo oder Positional Vertigo und beschreibt Schwindelattacken, die durch bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst werden. Der Schwindel entsteht, wenn sich kleine Kalziumkristalle – die Otolithen – im Innenohr lösen und in den Bogengängen fälschlicherweise Bewegung signalisieren.1 Dadurch erhält das Gehirn widersprüchliche Informationen über die Position des Körpers. Die Folge sind typische Vertigo-Attacken– kurz, heftig, aber gut behandelbar. Aber für viele Betroffene wirken sie sehr bedrohlich.
Gutartiger Lagerungsschwindel – die häufigste Form
Medizinisch spricht man vom benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV). So lässt sich der Begriff erklären:
benigne = gutartig
paroxysmal = plötzlich auftretend
Lagerung = durch Kopf- oder Körperpositionen ausgelöst
Gutartiger Lagerungsschwindel ist nicht gefährlich und schädigt das Innenohr nicht.
Seltener, aber wichtig: Maligner Lagerungsschwindel
Neben der gutartigen Form gibt es auch den deutlich selteneren malignen Lagerungsschwindel. Er ist keine Variante des BPPV, sondern ein Begriff für Schwindel, der ähnlich ausgelöst wird (durch Kopfbewegungen), jedoch eine ernste neurologische oder zentrale Ursache haben kann. Zu den Auslösern zählen u. a.:
Durchblutungsstörungen des Gehirns
Entzündungen des zentralen Nervensystems
Kleinhirn- oder Hirnstammerkrankungen
Diese Form ist deutlich seltener als BPPV, aber medizinisch relevant, weil sie nicht gleich behandelbar ist und weitere Diagnostik erfordert.
Warum besonders ältere Menschen betroffen sind:
Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur das Hören, sondern auch die Struktur des Innenohrs. Und genau diese natürlichen Prozesse machen ältere Menschen anfälliger für Lagerungsschwindel.2 Die Veränderungen sind harmlos, können aber dazu führen, dass sich Otolithen leichter lösen und das Gleichgewichtssystem empfindlicher reagiert. Ältere Menschen sind häufiger betroffen aufgrund:
der natürlichen Veränderung des Innenohrs
Otolithen, die mit der Zeit brüchiger werden und sich dadurch leichter ablösen
weniger stabiler Gleichgewichtsreaktionen
längerer Phasen körperlicher Inaktivität (z. B. Bettlägerigkeit)
Was sind die Ursachen von Lagerungsschwindel?
Lagerungsschwindel entsteht, wenn sich Otolithen aus ihrem ursprünglichen Bereich lösen und in die falschen Strukturen des Innenohrs gelangen. Dort reizen sie die Bogengänge und lösen als Folge die bekannten Schwindelattacken aus.
Häufige Auslöser sind:
• natürliche Alterung des Innenohrs
• Kopfbewegungen oder Lagewechsel
• Kopfverletzungen oder Stürze
• Innenohrentzündungen wie z. B. Labyrinthitis
• Längere Bettruhe / Immobilität etwa nach Operationen erhöhen das Risiko
• Begleitfaktoren wie Migräne, Osteoporose oder Diabetes
Diese Risikofaktoren werden u.a. in der AWMF-Leitlinie Vestibuläre Funktionsstörungen erwähnt³

Welche Symptome treten bei Lagerungsschwindel auf?
Der Lagerungsschwindel hat ein typisches Muster, das ihn von anderen Schwindelformen unterscheidet. Er zeigt sich in Form eines akuten Drehschwindels, der oft nur wenige Sekunden dauert und durch bestimmte Bewegungen ausgelöst wird. Das kann ein Aufrichten oder Umdrehen im Bett sein, aber auch ein Bücken oder nach oben schauen. Weitere Symptome sind:
Übelkeit
Unsicherer Stand
Angst vor Stürzen
Nystagmus (Augenruckeln)
Sobald ich mich bewege, dreht sich der Raum. Wenn ich stillhalte, wird es schnell besser.
Bei einem bösartigen Lagerungsschwindel unterscheiden sich die Symptome deutlich vom gutartigen Lagerungsschwindel und können umfassen:
Länger anhaltender Drehschwindel (oft Minuten statt Sekunden)
Neurologische Ausfälle (z. B. Sehstörungen, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen)
Ausgeprägte Gangunsicherheit
Bei welchen Symptomen sollte ich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?
Wenn zusätzlich zum Schwindel ein Hörverlust, Ohrgeräusche, Doppelbilder, Lähmungen auftreten oder der Schwindel länger als eine Stunde lang anhält, sollten Sie die Symptome sofort ärztlich abklären lassen.
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Wie wird Lagerungsschwindel diagnostiziert?
Der Goldstandard ist der Dix-Hallpike-Test.5 Dabei löst der Arzt bzw. die Ärztin den Schwindel durch eine schnelle Kopfbewegung aus (die typische Lagerungsbewegung) und beobachtet dabei genau die Augenbewegungen. Weitere Untersuchungen sind der Kopfimpulstest, der Supine Roll Test (für horizontalen Bogengang), Gleichgewichtsprüfung (Romberg-Versuch, Unterberger-Tretversuch) und die Höranalyse – diese ist sinnvoll bei Verdacht auf begleitenden Hörverlust. Eine solche Hörmessung können Sie auch bei Hansaton kostenlos durchführen lassen.

Wie kann Lagerungsschwindel behandelt werden?
Der Lagerungsschwindel ist eine der am besten behandelbaren Schwindelursachen. Die Beschwerden wirken oft dramatisch, doch die Therapie ist in den meisten Fällen unkompliziert und hochwirksam. Das Ziel aller Maßnahmen ist es, die gelösten Otolithen wieder in den ursprünglichen Bereich des Gleichgewichtsorgans zu befördern und damit die fehlerhaften Bewegungssignale zu stoppen. Je früher die Behandlung beginnt, desto schneller lassen sich die Schwindelattacken reduzieren.
Die Therapie umfasst in der Regel mehrere Bausteine, die je nach Ursache, Symptomstärke und Beweglichkeit individuell kombiniert werden:
Lagerungsmanöver beim Arzt
Übungen für zu Hause
Begleittherapie bei starker Übelkeit
Sturzprävention, besonders wichtig bei älteren Menschen
Die Behandlung bei der Ärztin bzw. beim Arzt
Das Epley-Manöver ist die am besten untersuchte und am häufigsten eingesetzte Therapieform.5 Es führt bei 80–90 % der Patientinnen und Patienten zur sofortigen Besserung und gilt als besonders wirksam, weil es die Otolithen strukturiert aus dem Bogengang herausbewegt und zurückleitet.
Weitere Befreiungsmanöver, die je nach beteiligtem Bogengang eingesetzt werden, sind:
Semont-Manöver: Ein schnelles Umlegen des Körpers zur Gegenseite, das besonders bei Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit eine gute Alternative zum Epley-Manöver darstellt.
Lempert-Manöver (Barbecue Roll): Eine schrittweise Drehung des Körpers um die eigene Längsachse, um gelöste Otolithen aus dem horizontalen Bogengang auszuleiten.
Gufoni-Manöver: Eine seitliche Kippbewegung, gefolgt von einer Kopfdrehung – speziell bei Schwindel aus dem horizontalen Bogengang wirksam.
Gut zu wissen: Medikamente helfen nicht gegen die Ursache, jedoch gegen Übelkeit. Sie sollten nur kurzfristig eingesetzt werden.
Übungen für zu Hause
Viele Betroffene profitieren von den Brandt-Daroff-Übungen. Sie können Restbeschwerden oder erneute BPLS-Episoden reduzieren, sollen jedoch die ärztliche Abklärung nicht ersetzen. Wie immer gilt: Wenn Sie sich unwohl fühlen, suchen Sie die Ärztin oder den Arzt Ihres Vertrauens auf.
So funktionieren die Brandt-Daroff-Übungen:
Startposition: aufrecht hinsetzen, am besten auf einem Bett oder einer stabilen Liege
Drehung und Seitenlage: Der Kopf wird etwa 45° zur gesunden Seite gedreht. Anschließend legt man sich rasch auf die betroffene Seite. Die Kopfposition bleibt dabei unverändert.
Position halten: Diese Lage wird mind. 30 Sekunden gehalten – oder so lange, bis der auftretende Schwindel abklingt.
Zurück in den Sitz: Danach kehrt man zurück in die aufrechte Sitzposition.
Wechsel zur anderen Seite: Anschließend wird die gleiche Bewegung auf der Gegenseite durchgeführt.
Ein kompletter Durchgang besteht aus fünf Wiederholungen pro Seite. Die Übungen können 3 Mal täglich durchgeführt werden.
Wie sind die Erfolgschancen einer Lagerungsschwindel-Behandlung?
Die meisten Patientinnen und Patienten sprechen auf Befreiungsmanöver mit einer Besserung der Symptome an.4 Auch bei einem Wiederauftreten, das ist bei 15–20 % innerhalb eines Jahres möglich, lassen sich die Beschwerden erneut gut behandeln.
Faktoren, die die Prognose verbessern:
frühe Behandlung
Regelmäßige Übungen
aktive Bewegung im Alltag
Hör- und Gleichgewichtscheck ab 60+
Hinweis für Angehörige: Gemeinsames Üben und Begleiten zum Termin reduziert Angst und verbessert die Symptome.
Tipps zur Prävention
Ein gut gepflegtes Gleichgewichtssystem kann helfen, Schwindelattacken vorzubeugen oder Rückfälle seltener auftreten zu lassen. Viele dieser Maßnahmen lassen sich leicht in den Alltag integrieren und unterstützen das Zusammenspiel von Innenohr, Augen und Muskulatur.
Autor
Hansaton
Bewertet von:
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