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Haben Sie Ihrer Partnerin, Ihrem Partner oder einer anderen Person, die Ihnen nahesteht, schon einmal vorgeworfen, er oder sie würde „selektiv hören“? Da sind Sie nicht allein! Die meisten Menschen sehen selektives Hören als etwas Negatives an und verwenden den Begriff, um Personen zu beschreiben, die nur das hören, was sie möchten. In diesem Sinne ist es manchmal eine Beleidigung, wenn jemandem selektives Hören vorgeworfen wird.

Warum werden Menschen mit einem selektiven Gehör oft missverstanden?

In Wirklichkeit besitzen wir alle diese Fähigkeit und dieses vermeintliche Zeichen von Respektlosigkeit hat große Vorteile in unserem Alltag.

Dank der verstärkten wissenschaftlichen Aufmerksamkeit, die dem selektiven Hören in den letzten Jahren gewidmet wurde, wissen wir heute mehr über selektives Hören und wie es funktioniert. Probleme macht das selektive Hören erst, wenn es nicht mehr funktioniert.

Dann mehren sich Kommunikationsprobleme in der Familie und zwischenmenschliche Beziehungen werden im Alltag für alle Betroffenen anstrengender.

Was ist selektives Hören?

Das menschliche Gehör funktioniert, indem Schallwellen in unsere Ohren eindringen, dort auf das Trommelfell treffen und dieses in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen werden dann über das Innenohr als elektrische Impulse weitergeleitet und an das Gehirn geschickt, wo die Informationen verarbeitet werden.

Beim selektiven Hören, auch selektive auditive Aufmerksamkeit genannt, funktioniert dieser Prozess perfekt und wir hören nur jene Klänge, die wir hören wollen. Zum Beispiel können Sie dann einer einzelnen sprechenden Person trotz lauter Hintergrundgeräusche gut zuhören. Wenn Sie sich in einer überfüllten oder lauten Umgebung auf eine einzelne Person konzentrieren, blenden Sie andere Sprecherinnen und Sprecher, Schallquellen oder Geräusche einfach aus. Der Cocktailparty-Effekt, also das Ausblenden von Geräuschen in lauter Umgebung (wie zum Beispiel auf einer Cocktailparty), ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Funktion unseres Gehirns.

Selektives Hören ist normalerweise ein unbewusster Prozess, der einsetzt, wenn man versucht, sich auf ein Geräusch oder die Worte einer bestimmten Person zu konzentrieren. Ein gutes Beispiel für dieses Phänomen ist, wenn Sie sich so sehr auf Ihr Gegenüber konzentrieren, dass Ihr Gehirn beginnt, andere Personen oder Geräusche auszublenden.

Wie funktioniert der Cocktailparty-Effekt?

Wir werden ständig mit Bildern, Tönen und Informationen überflutet. Um unsere Ohren und somit die Signalverarbeitung in unserem Gehirn zu entlasten, können wir uns durch selektives oder intelligentes Hören auf die Sinneseindrücke konzentrieren, die in einem bestimmten Moment am wichtigsten sind, und jene Schallquellen ausblenden, die unwichtig sind.

Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Geräusch- oder Sprachquelle richten, erleben Sie den Cocktailparty-Effekt bzw. selektives Hören in Aktion: Obwohl Ihr Gehör die Umgebungsgeräusche und andere Schallquellen wahrnimmt, verarbeitet Ihr Gehirn nur bestimmte Teile der auditiven Informationen. Es überrascht nicht, dass die Aufmerksamkeit des Gehörs meist auf das gerichtet ist, was Sie am liebsten hören möchten.

Selektives Hören ist ein Segen und ein Abwehrmechanismus, der unser Gehirn vor zu vielen Hörreizen und Schallquellen schützt. Denn das Gehirn kann nicht alle sensorischen Informationen, die in unserer Umgebung auftreten, gleichzeitig verarbeiten. Daher werden dank des Cocktailparty-Effekts nur die wichtigsten Teile gründlich verarbeitet.
Selektives Hören ist also keine Störung, sondern die Fähigkeit des Menschen, Geräusche, Lärm oder Gespräche zu ignorieren, die in einem bestimmten Moment weniger wichtig sind.

Auf welche Geräusche konzentrieren wir uns?

Wir wissen, dass verschiedene Faktoren Einfluss darauf haben, auf welche Geräusche wir uns konzentrieren und welche wir ignorieren. So ist es zum Beispiel einfacher, sich auf Geräuschquellen in der Nähe zu fokussieren. Auch die Anzahl der konkurrierenden akustischen Reize spielt eine Rolle bei der Wahrnehmung durch die Ohren. Je weniger Gespräche gleichzeitig geführt werden, desto besser.

Außerdem beeinflussen interne Faktoren den Auswahlprozess. Wenn Sie sich beispielsweise sehr für ein Thema oder eine Person interessieren, können Sie sich wahrscheinlich leicht darauf konzentrieren, selbst wenn der Sprecher oder die Sprecherin weiter von Ihnen entfernt ist. Auch visuelle Anhaltspunkte, wie zum Beispiel die Lippenbewegungen der sprechenden Person, sind von Bedeutung.

Zudem spielen Unterschiede in der Toleranz von Geräuschen eine Rolle. Subjektive Wahrnehmungen, aber auch psychologische Störungen wie Phonophobie und Misophonie, bei denen Menschen von bestimmten Klängen gereizt werden, können Betroffene in ihrem Alltag stark einschränken.

Ist selektives Hören eine Hörstörung?

Selektives Hören hängt nicht mit einem Hörverlust zusammen und wird daher auch nicht als solcher eingestuft. Aber: Die Fähigkeit zum selektiven Hören nimmt im Laufe der Jahre ab. Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, uns in lauter Umgebung zu konzentrieren. Und das kann mit einer Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) einhergehen.

Auch Menschen mit ADS oder ADHS, einem Aufmerksamkeitsdefizit in Verbindung mit Hyperaktivität, besitzen oft nicht die Fähigkeit, sich auf ein Geräusch zu konzentrieren.

Wann sollte man eine Spezialistin oder einen Spezialisten aufsuchen?

Falls Sie bei sich selbst oder einem geliebten Menschen eine Veränderung in einer Hörsituation mit Umgebungsgeräuschen bemerken, raten wir Ihnen, Ihr Gehör bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten testen zu lassen.

Bei Hansaton sind Hörtest-Termine immer kostenlos und unverbindlich. Falls Sie zusätzlich eine andere Hörstörung vermuten, empfehlen wir direkt einen Besuch bei Ihrer HNO-Ärztin oder Ihrem HNO-Arzt.

Kann ich mein selektives Hören trainieren?

Wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ein kognitives Problem festgestellt hat, wird er oder sie Ihnen Übungen vorschlagen, die Ihre Konzentrationsfähigkeit trainieren. Sollte jedoch ein Hörverlust vorliegen, ist ein Hörgerät das beste Mittel der Wahl.

Wie können Hörgeräte helfen, den Cocktailparty-Effekt wiederzuerlangen?

Moderne Hörgeräte sind kleine Mini-Computer, die alle Schallquellen um Sie herum in Echtzeit aufnehmen. Sie erledigen auch das Richtungshören, weswegen zwei Hörgeräte meist von Vorteil sind. Mittlerweile unterscheiden Hörgeräte auch, welche Geräusche interessant und welche störend für Sie sein könnten. So werden in wenigen Millisekunden Störgeräusche, wie zum Beispiel Stimmen und Musik im Hintergrund, ausgeblendet und die gesprochenen Worte Ihres Gegenübers direkt in angemessener Lautstärke in Ihr Ohr übertragen.
Bei Fragen zu unserem Sortiment sind unsere Hörakustikerinnen und Hörakustiker in über 100 Hansaton Hörkompetenz-Zentren in ganz Österreich für Sie da und beraten Sie gerne persönlich und individuell.
Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Schulungs- und Informationszwecken. Diese Informationen sind kein Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung. Wenn Sie Fragen bezüglich Ihrer Gesundheit haben, sollten Sie sich immer an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere medizinische Fachkraft wenden.