Überblick

Krankheitsbild & Symptome

Morbus Menière beschreibt eine Erkrankung, bei der der Flüssigkeitshaushalt des Innenohrs gestört ist. Hierzu muss man wissen, dass das Innenohr aus dem Gleichgewichtsorgan und dem Hörorgan (der Hörschnecke) besteht. Diese beiden Organe verfügen über Bogengänge, die mit Flüssigkeiten gefüllt sind. Bei einem Menière-Anfall ist der Bogengang der Hörschnecke allerdings überfüllt und verursacht starke Probleme für das Innenohr.

Die klassischen drei Hauptsymptome der Menière-Krankheit sind:
  • Starker Drehschwindel, der wenige Minuten bis einige Stunden anhält
  • Schwerhörigkeit (vor allem im Tieftonbereich und meistens nur einseitig) ‒ Ohrgeräusche (Tinnitus)

Die Krankheit hat allerdings noch mehrere Nebenwirkungen, wie zum Beispiel:
  • Ohrendruck
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schweißausbrüche
  • Augenzittern (Nystagmus)
Morbus Menière tritt am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf und befällt in der Regel nur ein Ohr. Bei länger andauernden Beschwerden steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, am anderen Ohr ebenfalls zu erkranken. Durch den oft lange anhaltenden Drehschwindel kommt es bei vielen betroffenen Personen zu Übelkeit, die bis zum Erbrechen führen kann. Das Bewusstsein ist während der Anfälle jedoch ungetrübt. Dies setzt bei den betroffenen Personen gelegentlich eine Spirale der Angst frei: Erkrankte fürchten sich vor einem erneuten Anfall und fühlen sich dadurch gestresst. Die psychische Komponente der Menière-Krankheit ist also nicht zu unterschätzen. Zwischen den einzelnen Anfällen können Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre liegen. Positiv ist, dass die Anzahl der Schwindelanfälle oftmals im Verlauf der Krankheit abnimmt.

Ursachen

Die genauen Ursachen sind nicht bekannt, jedoch gibt es verschiedene Ansätze. So liegt eine mögliche Ursache zum Beispiel im Riss der Reissner-Membran, einer dünnen Zellmembran innerhalb der Hörschnecke im Innenohr. Reißt diese Membran, tritt eine Flüssigkeit (kaliumarme Perilymphe) aus und erhöht den Druck in der Hörschnecke des betroffenen Ohrs. Andere Ursachen könnten virale Infektionen sein, die eine Entzündung des Innenohres hervorrufen.

Lassen Sie sich von einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt untersuchen, denn Schwindel, Tinnitus und eine Hörminderung können auch anders entstehen und sind nicht immer auf einen Menière-Anfall zurückzuführen.

Diagnose

Wenn Ihnen die Symptome bekannt vorkommen, sollten Sie dringend eine HNO-Ärztin oder einen HNO-Arzt aufsuchen. Um die Menière-Krankheit diagnostizieren und mögliche Ursachen feststellen zu können, führt sie bzw. er einige Tests durch. So wird zum Beispiel eine Ohrenspiegelung vorgenommen und ein beidseitiger Hörtest durchgeführt, um feststellen zu können, ob das Hörvermögen des betroffenen Ohres von dem des gesunden Ohres abweicht. Da auch Schwindel zu den typischen Symptomen zählt, untersucht und testet die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt auch das Gleichgewichtsorgan und die Augen der Patientin bzw. des Patienten.

Um herauszufinden, ob die Ursache der Menière-Attacke vielleicht in einer anderen Krankheiten liegt, wird zudem die Krankheitsgeschichte exakt besprochen.

Schwerhörigkeit bei Morbus Menière

Schwerhörigkeit gehört zu den Hauptsymptomen bei Morbus Menière. In den meisten Fällen handelt es sich um eine einseitige Hörminderung. Anfangs tritt die Schwerhörigkeit häufig nur während des Anfalls auf und verschwindet danach wieder. Oftmals kann es nach längerer Krankheit allerdings zu einer dauerhaften starken Schallempfindungsstörung kommen. Die für Morbus Menière typische Schwerhörigkeit betrifft vor allem die tiefen Töne, sodass gutes Hören zunehmend schwieriger wird. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie unter einem Hörverlust leiden, sollten Sie einen HNO-Arzt oder eine HNO-Ärztin aufsuchen.

Behandlung

Morbus Menière gilt nach heutigem Stand als unheilbar. Es ist bis heute nicht geklärt, was die Krankheit genau verursacht. Die Symptome können jedoch medikamentös und/oder operativ behandelt werden. Man unterscheidet hier zwischen Maßnahmen, die weiteren Anfällen vorbeugen sollen, und der akuten Vorgehensweise während eines Anfalls. Zur Behandlung des Schwindels werden bestimmte Medikamente, sogenannte Antivertiginosa (anti [gr.] = gegen, vertigo [lat.] = Schwindel), verabreicht. Da es durch den Schwindel sehr oft zu starker Übelkeit kommt, werden Menière-Erkrankten zusätzlich Mittel gegen Übelkeit gegeben.

Falls jemand unter einer sehr ausgeprägten Form von Morbus Menière leidet und sehr viele Schwindelanfälle hat, werden andere Methoden angewandt.
Zum einen kann durch eine Medikamentengabe (Gentamycin) das Gleichgewichtsorgan ausgeschaltet werden, wodurch die Schwindelanfälle aufhören können. Die Hörfähigkeit der betroffenen Person kann sich dadurch allerdings verschlechtern.

Operativ gibt es ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten. In manchen Fällen wird in einem operativen Eingriff beispielsweise der Gleichgewichtsnerv durchtrennt (Neurektomie), sodass der Schwindel nicht mehr auftreten kann. Eine andere Behandlungsmethode ist die Sakkotomie, bei der es durch eine winzige Öffnung in einem Teil des Innenohrs zu einer Druckentlastung kommt.

Wie können Betroffene mit der Krankheit umgehen?

Da die Ursachen von Morbus Menière nicht vollständig geklärt sind, gibt es leider auch keine einheitlichen Maßnahmen zur Vorbeugung oder Therapie dieser Erkrankung. Vielmehr muss gelernt werden, mit der Krankheit umzugehen. Viele Menière-Betroffene sind der Meinung, dass ihnen
  • Gleichgewichtstraining,
  • Bewegung und
  • Entspannung
im Umgang helfen, auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise hierfür gibt.
Auf jeden Fall kann ein gesunder Lebensstil ab der Diagnose Morbus Menière nicht schaden. Empfohlen werden zum Beispiel:
  • Verzicht auf Nikotin
  • Natriumarme und kaliumreiche Ernährung
  • Vermeidung von Stress
Falls Sie bei sich Symptome wie Drehschwindel und Schwerhörigkeit festgestellt haben, raten wir Ihnen, sich an Ihren HNO-Arzt oder Ihre HNO-Ärztin zu wenden.