Überblick

Was ist Hyperakusis (Überempfindlichkeit gegenüber Schall) genau?

Gewöhnliche Geräusche verursachen Unbehaglichkeit. Es muss nichts Außergewöhnliches sein, das Unbehaglichkeit bereitet: Hundebellen, Staubsaugerlärm, Kinderweinen, Telefonläuten oder auch schrilles Lachen rufen einen Zustand hervor, der sogar schmerzhaft sein kann.

Allerdings darf man Hyperakusis nicht mit Misophonie verwechseln. Während im Fall der Hyperakusis eine Überempfindlichkeit gegenüber alltäglichen Geräuschen vorliegt, werden bei der Misophonie ganz bestimmte, normalerweise sich wiederholende Geräusche nicht vertragen, beispielsweise das Ticken einer Uhr, Tippgeräusche, ein tropfender Wasserhahn oder sogar das Kauen beim Essen.

Ohrstöpsel verschlimmern das Problem

Durch die Stille verstärkt das Hörsystem die Geräusche noch weiter. Anstatt also die Empfindlichkeit zu mindern, kann die Verwendung von Ohrstöpseln die Intensität der Geräusche verstärken und noch größeres Unbehagen hervorrufen.

Üblicherweise schotten sich Betroffene ab, um unangenehme Geräusche zu meiden. Allerdings geht mit der Verminderung der Schalleindrücke die Neigung einher, dass die Empfindlichkeit immer weiter wächst.

Bei Überempfindlichkeit gegenüber Schall hört man nicht besser

Wer an Hyperakusis leidet, hat kein „Supergehör“ und hört nicht besser als Personen ohne Störung des Gehörsinns. Das Gehör der betroffenen Person kann normal sein. Was von der Norm abweicht, ist die Unverträglichkeit von Geräuschen.

Normalerweise vertragen Menschen eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel, ohne Unbehagen zu empfinden – etwa das Geräusch eines Föhns oder Mixers. Bei Überempfindlichkeit gegenüber Schall leidet man schon bei Geräuschpegeln, die darunterliegen. Eine Unterhaltung bei gewöhnlicher Lautstärke hat zum Beispiel etwa 60 Dezibel und kann hypersensible Personen stören.

Hyperakusis kann mit einem Tinnitus einhergehen

Tinnitus ist eine Art Schallillusion, bei der die betroffene Person den Eindruck hat, ein ständiges Pfeifen zu hören. Verschiedene Faktoren können für das Entstehen dieses inneren Geräusches verantwortlich sein, unter anderem sehr laute Geräusche, das Altern, Diabetes, Ohreninfektionen oder Gehörtraumata.

Die Hyperakusis ist eine der Komplikationen des Tinnitus. Das liegt daran, dass das durchgehende Geräusch eine übermäßige Unverträglichkeit verursachen und zu einem immer sensibleren Gehör führen kann.

Eine Behandlungsform ist die Schalltherapie während des Schlafs

Es gibt keine Medikamente oder Operationen, die Hyperakusis heilen können. Jedoch gibt es therapeutische Mittel, die darauf abzielen, das Unbehagen zu beseitigen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Die Schalltherapie während des Schlafs ist eine dieser Behandlungen.

Unser Gehirn schaltet nie ab. So kann man den Schlaf nutzen, um eine entsensibilisierende Therapie mit weißem Rauschen durchzuführen. Das funktioniert folgendermaßen: Die betroffene Person wird während des Schlafens einem angenehmen leisen Geräusch ausgesetzt, und zwar ohne Kopfhörer, denn das Ziel ist ein Vermischen mit den Umgebungsgeräuschen.

Während des Schlafs lernt das Gehirn, dass Geräusche dieser Intensität nicht bedrohlich sind. Die Lautstärke muss langsam angehoben werden, bis sie nicht mehr störend ist.

Die Hyperakusis ist zusammengefasst die Überempfindlichkeit gegenüber Schall. Sollten Ihnen die hier geschilderten Situationen bekannt vorkommen, suchen Sie eine Spezialistin oder einen Spezialisten auf, damit sie bzw. er eine Diagnose stellen und eine Behandlung der Krankheit in die Wege leiten kann. So können Sie diese Störung eindämmen und ein normales Leben führen.